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Kindheitserinnerungen

Mein Dorf ist weg

Am Freitag hat mein Bruder eine DVD mitgebracht. Bekannte haben vergangenes Jahr in unserem alten Dorf gefilmt.

Ich hatte ein wenig Angst vor dem, was ich dort zu sehen bekomme. Mir war klar, daß sich sicher viel verändert hat, aber...

Das, was ich gesehen habe, ließ meine schlimmsten Befürchtungen zur Wahrheit werden.

Was war zu sehen? Ein paar Mongolen, einige baufällige Häuser und sonst.... nichts. Nichts!

Das Dorf, der Ort meiner Kindheit, der Platz, wo ich geboren bin und die ersten 15 Jahre meines Lebens verbracht habe, es ist weg. Es existiert nicht mehr, es ist weg, ausgelöscht. Als wäre es nie dort gewesen.

Ich habe geweint, ganz bitterlich. Es war, als würden meine ganzen Kindheitserinnerungen zu Lügen werden. Als hätte ich das alles nur geträumt. Als hätte man die Leiche meiner Kindheit gefilmt.

Bei diesem Anblick wurde mir klar, wie weit weg das alles ist und wie unwiederbringlich. Und wie alt ich bin.

Nie wieder werde ich in mein Dorf zurückkehren können, nie wieder die Häuser sehen, nie wieder meinen Baum. Nie wieder werde ich Kind sein. Alles, was mir lieb und teuer war, ist weg, ist tot, ist ausgelöscht.

Und nie, nie wieder, werde ich mich irgendwo zuhause fühlen.

Am liebsten würde ich sterben.

 

9.6.08 16:34


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Mischka

Ich hatte einen Teddybär, der hieß Mischka.

Was heißt hatte? Ich habe ihn noch.

Meine Großmutter hatte ihn mir geschenkt, als ich noch ganz klein war.

Mischka war sowas wie mein bester Freund, ich hatte ihn fast immer dabei. Als Kind in meiner Stofftasche, später heimlich irgendwo verstaut.

Mischka hat mit mir allerlei Abenteuer im Wald erlebt.

Eines Tages hatte ich einen kleinen Vogel gefunden, der scheinbar aus dem Nest gefallen war und sich ein Flügelchen gebrochen hatte. Er lebte noch.

Ich kletterte auf den Baum, mit dem Vogel in meiner Umhängetasche und legte den Vogel wieder in sein Nest. Er war sehr schwach.

Ich saß die ganze Zeit da und habe auf den kleinen Vogel achtgegeben. Er lag mir sehr am Herzen. Einer meiner Brüder, der eigentlich ein Jahr jünger ist als ich, aber trotzdem immer eher auf mich aufpaßte als ich auf ihn, nannte mich immer "kleiner Vogel" (ptitschka).

Es wurde Abend, ich mußte nach Hause, sonst würde es furchtbare Prügel geben. Aber was sollte dann mit dem Vogel passieren? Irgendwer mußte doch auf ihn aufpassen.

Ich war etwa 7 Jahre alt und mir kam die zündende Idee. Ich sagte zu meinem Teddybären:

"Mischka, heute nacht mußt du hierbleiben und auf den Vogel aufpassen. Ich komme morgen früh wieder und sehe nach euch."

Ich setzte Mischka auf den Zweig neben dem Nest und ging nach Hause.

Ich konnte gar nicht richtig einschlafen und bereute meine Entscheidung, meinen Bären im Wald gelassen zu haben.

Am nächsten Morgen ging ich, sobald ich konnte, in den Wald, zu dem Vogelnest.

Der Vogel war tot.

Und Mischka war weg!

Ich weinte bitterlich und biß mir in die Hand und schlug meinen Kopf gegen den Baum, bis mir ganz schwindelig wurde. Eine Weile saß ich dann unter dem Baum und schaukelte nur hin und her, während ich immernoch weinte.

Irgendwann begann ich dann, nach ihm zu suchen.

Den ganzen Tag habe ich nach ihm gesucht, bin jede Stelle zig mal abgegangen, aber nirgends war Mischka.

Hatte ihn jemand gestohlen, hatten Tiere ihn geholt oder was war passiert? Ich wußte es leider nicht. Ich wußte nur, daß ich ihn niemals hätte im Wald lassen dürfen. Mein "bester Freund" war nun weg.

Resigniert ging ich dann nach Hause, zuvor beerdigte ich noch den Vogel.

Ich weinte immernoch. Meine Schwester kam mir entgegen und fragte mich, was passiert sei. Ich sagte ihr, daß ich einen Vogel im Wald gefunden hatte, der aber leider gestorben war und daß ich Mischka gestern Abend bei dem Vogel im Wald gelassen hatte und er nun weg ist.

"Ach, du Armer!" 

sagte sie.

Dann erzählte sie mir, daß sie den Teddy gesehen hat als sie mit ihren Freunden vom Baumhaus nach Hause ging, und dachte ich habe ihn vergessen. Sie war auf den Baum geklettert und hatte ihn mitgenommen. Als ihr wieder einfiel, daß sie ihn in ihrem Rucksack hat, sei ich schon im Bett gewesen und sie wollte mich nicht wecken und ihn mir stattdessen heute morgen geben. Da wäre ich aber schon auf und davon gewesen, also habe sie ihn einfach in mein Bett gelegt.

Ich ging zu meinem Bett hin. Es stimmte! Dort lag Mischka. Ich war so erleichtert, daß ich gleich nochmehr weinen mußte.

Seitdem habe ich ihn nie wieder irgendwo alleingelassen, außer in meiner eigenen Wohnung. Aber keiner darf ihn haben, nicht mal meine Stiefkinder.

Der einzige Mensch, der Mischka mal bekommt, wird mein Baby sein.

Aber auf kranke Vögelchen, passe ich in Zukunft selbst auf.  

 

 

31.5.08 15:51


Stiller Beobachter

Ich erinnere mich an einen sonnigen Tag im Wald.

Ich war etwa 10 Jahre alt und es war, glaube ich, August. Ich liebte solche Tage, es war etwas diesig

Ich war, wie jeden Tag nach der Schule, in den Wald gegangen. Der Wald... die sibirische Taiga, sie ist nicht mal im Ansatz vergleichbar mit den Wäldern hier. Die wirken dagegen wie ein schlechter Witz.

Da stapfte ich nun durch diesen Wald und hatte 2 Piroschki mit, die ich mir unerlaubt zu Hause in meine Tasche gesteckt hatte. Ich hatte eine alte Tasche aus verschlissenem Stoff, darin bewahrte ich meine Schätze auf, wie schöne Steine oder Zapfen  oder ich gebe es zu, Insekten in einem Glas, und meine Wegzehrung.

Als das Dorf außer Sichtweite war, kletterte ich wieder auf meinen "Ausguck": Das war eine große Kiefer mit dicken Ästen, auf denen ich in etwa 3m Höhe sitzen konnte. Ich konnte klettern, wie ein kleiner Affe. Mich am Stamm hochhangeln, bis ich Äste zu fassen bekam.

Und dort saß ich dann, Stunden um Stunden und beobachtete das lustige Treiben im Wald. So auch an diesem Tag.

Die Piroschki waren sehr lecker, sie waren mit Fleisch gefüllt. Ich habe den Geschmack noch heute auf der Zunge.

Mein Bauch war voll, die Sonne schien, die Vögel zwitscherten, ich wurde langsam müde und war so übers einschlafen.

Aber dann hörte ich Stimmen und wurde hellwach.

Ich sah aus der Entfernung 3 Gestalten heranschleichen, sie bemerkten mich aber wohl nicht. Als sie näher kamen, erkannte ich sie. Es waren Dima, Fedja und Katja. Sie kamen aus dem gleichen Dorf wie ich. Sie waren etwa 2-3 Jahre älter als ich und trieben allerlei Unfug. Ich hatte Angst vor ihnen, sie hatten mir einmal aufgelauert und mich aus Spaß gequält.

Irgendwann blieben sie stehen und schauten sich verschwörerisch um. Sie schienen mich nicht zu sehen, zum Glück.

Einer der Jungs holte etwas aus seiner Tasche. Sie sahen sich alle nochmal um. Dann fummelten sie da irgendetwas, was ich nicht erkennen konnte. Aber dann stiegen Dunstwolken auf.

Aha, sie rauchten heimlich. Irgendeiner hatte wohl dem Papa die Zigaretten geklaut. War ja nichts neues, ich rauche selber, seit ich 8 Jahre alt bin (ja, ich meine wirklich 8).

Die Zigarette wurde reihum gereicht und immer wieder schauten sie sich verstohlen um. Ich versuchte, mich ganz ruhig zu verhalten, damit sie mich nicht bemerken. Wenn sie mich entdecken würden... das gäbe Prügel... Mein Herz schlug so laut, daß ich dachte, das müßten sie doch hören.

Aber irgendwann zogen sie wieder ab, ohne mich zu bemerken.

Das war vieleicht spannend.

An diese Tag bin ich dann doch noch auf dem Baum eingeschlafen und als ich aufwachte, war es schon dunkel und ich kam viel zu spät nach Hause. Obendrein war noch bemerkt worden, daß ich 2 Piroschki gestohlen hatte. So kam ich doch noch zu meinen Prügeln...

Und vor diesen konnte ich dann wieder in den Wald flüchten.

18.5.08 15:06


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