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Odyssee durch den Wald - Teil VI

... war das nicht eine Lichtung, auf der ich schon öfters gewesen war?

Ja, es kam mir alles furchbar bekannt vor. Der alte Baumstumpf, und der umgefallene Stamm über den trockenes Gras wucherte und der mich immer ein bißchen an eine riesige Makkaroni mit Käse erinnerte.

Ja, ich wußte wieder, wo ich war! Und ich wußte, wie ich von hier aus wieder nach Hause komme!

Unglaublich, ich hatte wirklich mehr Glück als Verstand. Ich konnte es immernoch nicht glauben, aber angetrieben von diesem Hochgefühl rannte ich los, sicher, schnell, Richtung Zuhause.

Und dann kam sie in Sicht, die Siedlung. Ich kann die ganze Zeit nicht mehr als 3 oder 4 Kilometer von zu Hause entfernt gewesen sein. Mir fiel ein Stein vom Herzen, doch gleichzeitig begann ich auch, mich innerlich anzuspannen. Ich hatte gemischte Gefühle. Ich würde sicher furchtbar ausgeschimpft werden, wenn ich nach Hause komme.

Ich war zweieinhalb Tage verschollen gewesen. Zweieinhalb Tage in der Wildnis und keiner wußte, was mit mir geschehen war.

Ich zögerte. Ich hatte das Gefühl, es sei noch nicht ganz ausgestanden.

Aber mein unerträglich knurrender Magen trieb mich letztendlich dazu an, nach Hause zu laufen.

Zaghaft öffnete ich die Tür. Ich sah niemanden. Die älteren Kinder waren in der Schule und die kleineren bei meiner Mutter, die scheinbar nicht zu Hause war.

Es war seltsam, ich war so lange weg und nun war keiner da, um mich zu empfangen.

Doch plötzlich sah ich meine Oma, wie sie aus einer Zimmerecke langsam auf mich zukam. Sie rieb sich wirklich ungläubig die Augen.

"Bist du es? Träume ich? Bist du wirklich zurückgekommen? Stehst du wirklich hier und lebst?"

Ich rannte auf sie zu und sprang in ihre Arme. Das war ihr Beweis genug. Sie weint vor Freude.

Dann rannte sie, halb weinend, halb schreiend zur Tür hinaus:

"Olga! Olga, wo bist du? Er ist wieder da! Sava ist wiedergekommen!"

Nach kurzer Zeit kam meine Mutter aus dem Haus der Nachbarn gestürmt und stürzte sich halb weinend, halb schimpfend auf mich.

Dann gingen wir in unser Haus zurück, ich bekam Essen und mußte alles erzählen. Meine Oma und meine Mutter und später auch meine Geschwister die von der Schule heimkamen und ebenfalls gar nicht glauben konnten, daß ich wieder da ist, schüttelten dabei immer wieder den Kopf.

Man hatte scheinbar nach mir gesucht, jedoch erfolglos.

Sie hatten wirklich geglaubt, ich sei für immer weg. Tot, erfroren, von wilden Tieren zerrissen, von Wilderern entführt, was auch immer. Verständlich, denn dies alles war auch wahrscheinlicher, als die Tatsache, daß ich wirklich lebendig aus der grünen Hölle entkommen war.

Am Abend kam mein Vater nach Hause.

Nie werde ich sein enttäuschtes Gesicht vergessen, als er sah, daß ich wieder da war.

Später, wenn er mal wieder wütend war, sagte er oft zu mir:

"Ich wünschte, du wärst für immer in diesem Wald geblieben."

 

ENDE

9.12.08 15:32
 


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bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Sonntagskind (11.12.08 09:56)
Irgendwie ein glückliches aber auch trauriges Ende.
Wie kann ein Vater so hartherzig sein?

Ich jedenfalls bin froh, dass du aus dem Wald heraus gefunden hast, denn sonst hätte ich dich nie getroffen. Und das wär schade.


Marco Pjotr (16.12.08 10:24)
Ein bittersüßes Ende - auch ich bin froh, dass es dich gibt mein lieber Savik.

Shalom.

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