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Vater

Wenn ich in letzter Zeit an meinen Vater denke, kommen mir oft die Tränen.

Warum?

Aus verschiedenen Gründen: Wut. Wehmut. Trauer. Mitleid.

Aus der Wut wird langsam das Mitleid.

Aus dem jähzornigen Despoten wurde ein armer, verwirrter, alter Mann. Er hat Alzheimer. Es schreitet immer mehr fort. Er nennt mich oft "Fjodor" oder "Fedja", obwohl ich gar nicht so heiße.

Manchmal denkt er, wir sind noch in Russland und sagt, wir sollen Holz holen und "vor den roten Schweinen achtgeben".

Ich denke manchmal an meinen letzten Besuch. Er hat mich getätschelt und geküßt.

Ist es soweit, bin ich soweit?

Bin ich soweit ihm zu vergeben, weil mich das Mitleid immer mehr überkommt?

Sollte ich überhaupt Mitleid mit ihm haben?

Ja, ich werde traurig und muß ein bißchen weinen, wenn ich an ihn denke.

So viele Jahre haben wir verschwendet. Er hätte doch ein guter Vater sein können. Er wollte es nicht. Oder er wollte es, aber war mehr als unfähig dazu. Er hat alles, wirklich alles falsch gemacht, was man nur falsch machen kann.

Fast mein ganzes Leben lang habe ich ihn gehaßt. Aber jetzt, wenn ich dieses klapprige, alte Männlein mit den wäßrigen Augen vor mir sehe, kann ich keinen Haß empfinden.

Nur Mitleid, sehr viel Mitleid.

Daß er sein Leben so verpfuscht hat und auch unseres.

Vieleicht sollte ich ihm vergeben, bevor es zu spät ist. Er hat nicht mehr so sehr viele lichte Momente.

Vieleicht begreift er dann, was er angerichtet hat.

Oder er fragt:

"Wofür vergibst du mir denn? Ich habe nichts falsch gemacht."

15.5.08 00:52
 


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bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


doris (15.5.08 10:51)
>> Bin ich soweit ihm zu vergeben, weil mich das Mitleid immer mehr überkommt? <<
Das weißt nur du allein. Dein Vater hat wie wohl fast jeder, wenn nicht sogar jeder Vater vieles falsch gemacht.
>> Vieleicht begreift er dann, was er angerichtet hat. <<
Das hat er sicher längst begriffen. Sonst hätte er sich bei eurem letzten Besuch nicht so gezeigt, wie er es tat. Nur, ein Leben voller Fehler kann man nicht mehr rückgängig machen. Man kann dem andern nur vergeben.
ICH finde, du solltest ihm vergeben, wenn du soweit bist. Ändern kannst weder du noch Er die Vergangenheit. Nutzt das Jetzt und Heute. Die Zeit geht unaufhaltsam voran und ihr wißt nie, wann sie abläuft.

Meine Eltern starben. Erst meine Mutter, später dann auch mein Vater. Meinem Vater konnte ich noch vergeben und habe da heute Frieden drüber, weil ich weiß, daß auch er mir vergeben hat und im Frieden von uns ging.. Von meiner Mutter trennte ich mich im Unfrieden und sie starb auch so.


Sonntagskind / Website (15.5.08 21:40)
Wir lernen viel im Leben.
Aber keine lehrt uns wie man eine gute Mutter oder ein guter Vater ist. Wenn dein Vater eine schlechte Kindheit hatte und da nicht viel Gutes erfahren hat, dann kommt er aus den alten Mustern nicht raus.

Wär ne Erklärung.

Aber auch ich finde, dass es schön wäre, wenn du ihm bewusst vergeben könntest bevor es zu spät ist. Ich wünsch es dir und ich wünsch es deinem alten Vater. Keiner ist von Grund auf schlecht.

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